Ich sage ja immer, Zugfahrt ist Arbeitszeit. Jetzt wo ich zu Beginn der bayerischen und hessischen Osterferien an einem Samstag freizeitlich im ICE der DB sitze, hat dieser auf ganzer Linie Probleme, die mich eigentlich immer nur peripher tangieren. Beginnend bei „Personen im Gleis“ und der damit einhergegangenen Streckensperrung und der „Fahrt auf Sicht“, einer Signal-Großstörung an einer ausgerechnet der modernen Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Stuttgart und Ulm UND eines Notarzteinsatzes war alles dabei.
Dabei wirkten die regelmäßig durchgeführten Durchsagen des Zugchefs auch jedes Mal ein klein wenig verzweifelter und ab einem Zeitpunkt waren alle im Zug vorhandenen Vorräte aufgebraucht. Stand zum Zeitpunkt des Verfassens meines Textes: vier Stunden Verspätung, ein außerfahrplanmäßiger Halt des ICEs an einem Regionalbahnhof zum Austausch des Fernverkehrs-Lokführers, der außer Dienst ist, gegen einen per Taxi angekarrten Lokführers zur Weiterfahrt.
Ist mein derzeitiger Gemütszustand in irgendeiner Weise aufgeregt? Nö, sollte er? Solange ich irgendwie irgendwann nach Hause komme, nervt mich das überhaupt nicht. An und für sich ist das voll traurig und extrem witzig zugleich. Eine Signalstörung auf einer der modernsten Bahnstrecken Deutschlands wirkt vielleicht außergewöhnlich, aber das „Diktieren des Weiterfahrtsbefehls“, weil das digitale Signal im nicht digitalisierten Streckenabschnitt kurz nach Stuttgart nicht direkt in den Zug eingelesen kann, klingt dann wieder nach Deutschlands Staatsbahn in Normal! Immerhin funktioniert das WLAN im ICE 4.
Alles was ich heute gehört habe, ist klingt mehr nach Satire als bahn.bet mir jemals als Nutzer zu bieten hatte. Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht, wer genau diese satirische Webseite nutzt oder überhaupt ins Leben gerufen hat. Sie unterhält mich jedenfalls mehr als es mir vielleicht lieb ist. Man kann da mit fiktiven Geld gegen eine Auswahl an Zügen wetten – gefühlt findet man nicht alle aktiven Züge, aber immerhin ist die Seite eine gewisse Übersicht über viele europäische Staaten und deren Bahnsinn. Deutschland schneidet erwartungsgemäß natürlich schlecht ab, aber der Blick über den Tellerrand zeigt, dass auch andere Länder ihre Herausforderungen mit Bahnverspätungen ab. Da ich die Seite schon seit mehreren Tagen aktiv kenne und meist gegen Züge wette, von denen ich eigentlich wegen ihrer Streckenführung (u.a. über Frankfurt) eine signifikante Verspätung erwarte, werde ich regelmäßig sehr positiv überrascht, dass das meist nur ein Gefühl ist und nicht der Tatsachen entspricht. So extreme Verspätungen sind vergleichsweise selten, die meisten befinden sich, nach meinem Empfinden eher in den 5-15min Bereich. Natürlich wäre das ärgerlich, wenn man wegen einer Verspätung einen Anschlusszug nicht mehr erreicht. Aber als regelmäßiger Bahnfahrer kennt man das Problem und plant entsprechend, egal ob das eine übergroße Vorlauf- oder Nachlauf-Zeit ist. Dementsprechend ist die satirisch gemeine Webseite für mich erst recht ein Anlass dafür, das Ganze sehr entspannt zu sehen. Ich mag es, mein Leben in vollen Zügen zu genießen, auch ohne Sitzplatzreservierung.
Schau gerne mal rein, wenn du Lust hast – Achtung! Macht süchtig: https://bahn.bet/r/MZo4-iAp
Hilfreiche Links zum Bahnfahren
Zum Finden günstiger UND zufällig, statistisch zuverlässige Züge: https://chuuchuu.com
Was geht auf Deutschlands Zugstrecken? Gib hier deine Linien- oder Zugnummer ein und du siehst, wie oft dieser Zug fährt (und gefahren ist) und wie, warum, wo eine Verspätung entstanden ist. Sie wirkt etwas altbacken, ist vollgepackt mit sinnvollen Informationen: https://www.zugfinder.net/de/start
Fast wie Zugfinder, nur ein bisschen moderner und für mobile Endgeräte und ein paar anderen Features: https://bahn.expert/