What do SUNO?

Meine Wortspiel-Künste sind definitiv noch ausbaufähig. Wenn ich das in meinem Kopf so laut auspreche, dann klingt das eher wie „What do YOU KNOW?“ Aber nur weil das in meinem Kopf so ist, heißt das noch lange nicht, dass es außerhalb davon immer noch so klingt. Per Zufall (und weil der allgemeine KI-Hype ja auch mich erwischt hat) bin ich bei Freunden aus Bayreuth in Mannheim (ja Falk und Holger, ich meine euch) bei dem KI-Musik-Dienstleister Suno gelandet, der genau das musikalisch schafft, was in meinem Kopf sich zusammenbraut wenn ich das tatsächlich in Worte fassen kann.

Es ist halt so wie jede KI, man prompted irgendein Satz rein und HOKUS-POKUS die KI hat einen GANZEN Song daraus produziert. Nicht fantastisch, aber catchy. Text super einfach gehalten, aber eingängig. Mit Intro, Verse, Chorus und Outro. Also quasi der ganze Standard-Pop-Kram, komplett fertig produziert mit einem generierten Text. Das ist vielleicht für die ersten 60 min saucool, vor allem weil man da 10 Songs binnen kürzester Zeit erstellen kann, die völlig zufällige, textlich passende, weil statistisch so vorkommende Reimkonstruktionen zu dem Thema häufig im Internet auffindbar und zusammen gepuzzelt werden. Das ist so, als ob man einem Schachcomputer dabei zusieht wie er sich selber besiegt, egal ob man für die schwarze oder weiße Seite ist.

Das macht Spaß! Aber nicht so für einen Musiker.

Egal was man eingibt, es werden wirklich eingängige Akkordfolgen mit wirklich klasse synthetisch erzeugten Stimmen mit einem maximal unterdurchschnittlichen Text und Aufbau erzeugt. Unabhängig vom Genre bekommt man das Gefühl, das alles irgendwie schon gehört zu haben. Ja natürlich. KI ist halt ein Werkzeug, welches häufig vorkommendes neu zusammengepuzzelt wiedergibt. KI ist nicht kreativ, KI ist generativ aus den Daten, die es hat. Und je weniger kreativen Input man vorne reingibt, desto generischer, also unkreativer ist der Output. Was mach ich dann damit? Warum dann überhaupt einen Blogeintrag?

Wie schon erwähnt, KI ist ein Werkzeug und wie bei allen Werkzeugen gilt, je mehr die Person hinter dem Werkzeug kann, desto mächtiger ist das Werkzeug. So sehe ich das zumindest bist jetzt. Und deswegen habe ich Suno Premium abonniert. Nicht für ein Monat, sondern gleich für ein ganzes Jahr.

Kaaa-Ieeeeeeeeeh!

Ja, ich weiß. Jeder wird mittlerweile regelrecht vom sog. „AI-Slop“ überflutet. Kein Social Media ist davon befreit, gefühlt jeder zweite Beitrag ist KI-generiert oder KI-bearbeitet. Es gibt zwischenzeitlich größere Youtube Kanäle, die ausschließlich KI-generierte Inhalte bieten und meine Güte, ist das gut geworden. Noch lange nicht so gut wie gute „menschliche“ Produktionen, aber dafür ist ein unfassbar vielfaches davon vorhanden. Es ist gar nicht mehr so einfach diese Inhalte von „echt“ gedrehten und bearbeiteten Inhalte zu unterscheiden. Durch das immer schneller werdende Produktionstempo der KI-Inhalte und das aktive Nutzen dieses „Loops“ von allen möglichen Interessensgruppen wird es massiv erschwert, Fakes und Falschinformationen im dichten Dschungel der Medienlandschaft klar zu identifizieren. Wie baut hier eine Kompetenz auf, um genau das zu können? Genau! Durchs nutzen!

Kenne deinen F(r)eind

Ich finde dieses Wortspiel äußerst gelungen. Warum? Weil im bayerischen Dialekt der Freund genau so ausgesprochen wird „freind“ – natürlich mit dem gerollten „rrrrrrrrrrrrr“. Und diese Dualität zwischen Freund und Feind möchte ich im folgenden betonen.

KI könnte sogesehen auch einfach mein Feind sein. Alles was ich tue kann sie theoretisch übernehmen, sobald mein Tun gewissen Regeln, Strukturen und einer gewissen Reproduzierbarkeit folgt. Beispielsweise die Musik ist in genau dieser Form in der Welt vorhanden. Regeln wie Akkorde, Melodien und den logischen Zusammenhang zwischen Tönen gibt die Harmonielehre vor. Strukturen wie die Aufteilung eines Songs in Verse, Pre-Chorus, Chorus, Bridge, etc. ist für sie statistisch auswertbar aus allen verfügbaren Songs und Songtexten der Welt verfügbar. Und das alles gibt es in digitaler Form, synthetisch reproduzierbar oder einfach nur kopierbar. Was nützt mir der jahrelange Instrumentalunterricht, wenn die KI perfekt alles reproduzieren kann, was ich mir in mühsamer Übung erst erarbeiten musste? Mir nützt das. Nicht der KI.

Nur weil die KI das kann, heißt das noch nicht, dass das vorher noch nicht da war. Was machen denn DJs, Produzenten oder schlichtweg einfach covernde Musiker? Sie nehmen das was da ist und bauen das neu zusammen. Es gibt vermutlich mehr Coversongs als Originalsongs, da jeder Song von jedem mal gecovered werden kann. Jeder Jazzmusiker interpretiert ein musikalisches Stück anders und baut es zusammen mit anderen Jazzmusikern neu zusammen. Wenn ein Pianist ein Stück eines großartigen Pianisten spielt, ist das genau das was die KI auch macht. Anders ausgedrückt: Leute, welche die KI nutzen, versetzen sich in die Person, die das alles könnte und bekommen ein tolles Ergebnis. Es macht den Nutzer nur nicht besser.

KI – mein überlegener Sparringspartner, mein Trainer

KI als Werkzeug macht den Nutzer nicht besser, aber schneller. Wenn ich als fachlich kompetenter Mensch also meinen kreativen Input in die KI sehr präzise gieße, erspart mir das auf dem Weg zu meinem gewünschten Ergebnis sehr viel Arbeit. Man könnte das gut mit einem Handwerker der statt eines Schraubendrehers einen Akkuschrauber nutzt vergleichen. Nur mit dem Unterschied, dass der Handwerker einen fachlich überlegenen Handwerker beauftragt, mit dem Akkuschrauber umzugehen.

Ich nutze die Möglichkeit statt endlos vieler Iterationen der gleichen Versuchsfolge, weil die Einzelschritte langsam und mühselig sind, endlos viele Variationen von Versuchsfolgen durchzutesten, weil die KI diese Einzelschritte für mich geht. Zusammen mit der KI kann ich Inhalte „auf Augenhöhe“ durchdiskutieren, weil diese ja insgesamt handwerklich und fachlich sehr viel stärker ist als ich, sich aber durch meine Prompts auf mein Niveau begibt. Ich nutze das, um mich effizient besser zu machen. So verspreche ich mir, dass allein dadurch mein kreativer Output besser wird, schlichtweg weil ich besser werde. Und bei all den Verbesserung erarbeite ich mir eine gewisse KI-Kompetenz an, die mir ermöglicht reine KI-generierte Inhalte von KI-verbesserten, menschlichen Inhalten zu unterscheiden.

Suno also?

Schlicht und ergreifend weil ich Musik kann. Mein ganzes Leben habe ich mich der Musik gewidmet und verschiedenste Instrumente erlernt. Jeden Schritt, den die KI macht, habe ich in unterschiedlichster Form in Kleinstschritten erlernt und weiß, wie ich das aufnehmen, produzieren und aufführen kann. Ich habe eine ganz klare Vorstellung davon, wie mein Song auszusehen hat, in welcher Besetzung und in welchen Genre dieser unterwegs ist. Ich kann mit (fast) allen mir bekannten und von mir beherrschten Instrumenten, alles was die musikalischen Regeln und Strukturen betrifft, nach meinem Willen gestalten und nutzen – für mich ist das was Suno macht keine Blackbox. Auch Texte kann ich schreiben. Zumindest glaube ich das! 😉

Suno ist für mich eine Spielwiese, die mich herausfordert, im Loop zu bleiben. Dieser Loop aus Input-Produktion-Output-Review-Input wird ja auch zunehmend von KI-Agents genutzt, vor allem in der Programmierung. Solange ich aber den Review-Input-Teil vor allem für mich nutze und den Output eher ein nettes Nebenprodukt als ein Ziel ansehe, glaube ich, dass ich im Loop bleibe, mich persönlich weiter entwickle und diese neuen Skills auch in anderen Bereichen anwenden kann.

Neugierig geworden?

Ja, ein Nutznießer des Nebenprodukts der KI-Nutzung ist meine DnD Gruppe AWO-DnD. Anfänglich habe ich noch Sessions damit zusammengefasst, mittlerweile bin ich so im „Rabbit Hole“ drin, dass ich fast länger für eine Neuproduktion eines Songs in der KI brauche als früher ohne KI. Es gibt soooo viele Möglichkeiten, die KI zu steuern und ohne Witz, ich habe richtig Spaß daran, außergewöhnliche Songs zu erstellen. Ein veröffentlichter Teil kannst du dir hier anhören:

Es gibt zwar noch nichts, aber falls dir eventuelle zukünftige Veröffentlichungen interessieren, findest du mich natürlich auch auf SUNO selbst: https://suno.com/@emmoticon

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